Hamsterblut

 

HAMSTERBLUT (UA) von Jens Raschke (Schauspiel Kiel, Studio)

AGNETHA Claudia Macht FABIAN Rudi Hindenburg KONRAD Werner Klockow
LA‘ AHAD Marko Gebbert MARIE Jennifer Böhm MELANIE Yvonne Ruprecht
REGIE Kristin Trosits DRAMATURGIE Kerstin Daiber BÜHNE Nina Sievers
KOSTÜM Alexia Costea MUSIK Eike Ebbel Groenewold FOTOS Olaf Stuck & Sven Wied


INHALT

Wollen Sie die Welt ein wenig lebenswerter machen? Können Sie sich gut in Menschen einfühlen? Dann werden Sie Simulationspatient! Diesem Aufruf sind Marie, Fabian, Agnetha, Melanie und Konrad gefolgt. So unterschiedlich ihre Lebenssituationen sind, so teilen sie ein gemeinsames Hobby: Sie sind Hamster. Als buchbare Simulanten spielen sie Opfer bei fingierten Unfällen, Anschlägen oder Naturkatastrophen. Fehlt es ihnen im beruflichen Alltag an Abenteuern, so bietet ihnen der Hamster-Job einen Ausbruch aus der Routine und das Tor in eine andere, aufregendere Welt. Gemeinsam bestreitet die Hamster-Gruppe eine Katastrophe nach der anderen und wächst zunehmend als Gemeinschaft zusammen. Als sich die Gruppe zur Simulation Verletzter nach einem Terrorattentat trifft, läuft der Auftrag jedoch aus dem Ruder…

Der mehrfach preisgekrönte Kieler Dramatiker Jens Raschke (2012 erhielt er den Mühlheimer Kinderstückepreis für Schlafen Fische? und 2014 den Deutschen Kindertheaterpreis für Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns blickte) hat nach zahlreichen sehr erfolgreichen Arbeiten für das Theater im Werftpark mit Hamsterblut nun zum ersten Mal  ein Stück für das Schauspiel Kiel geschrieben.


RESONANZEN

Auszug aus den Kieler Nachrichten vom 7. März 2017

„Wie Zombies im Pausenmodus wirken die Simulationspatienten, die Jens Raschke in seinem neuen Stück Hamsterblut in ein fiktives Terror-Szenario schickt. Schräger Stoff, den Regisseurin Kristin Trosits in ihrer mit viel Applaus bedachten Uraufführungsinszenierung im Schauspiel-Studio zwischen Komik, Splatter und Schockstarre in den Griff bekommt. (…) Raschke schlägt Funken aus dem Makabren und Absurden der Konstruktion: Kristin Trosits nimmt das gnadenlos realistisch, knipst die knappen, verdichteten Szenen an und aus wie im Diorama und lässt sie lässig zwischen Tatortreiniger und Endspiel taumeln. Dazu beleben die Akteure lustvoll lakonisch ihre Typengalerie: Jennifer Böhm eine coole aufmüpfige Marie aus der Autonomenszene, Werner Klockows Konrad ein prekärer Walking Dead, der auch bei Pegida seinen Platz fände. Yvonne Ruprechts Melanie die wunderbar unbedarft gluckig schwirrt und Claudia Macht eine still verlorene Agnetha, die mal Schauspielerin war und heute am Leben zerschellt. Dazwischen pendelt Rudi Hindenburgs Fabian zwischen Woyzeck und Psycho, ein bisschen too much vielleicht, wie er selbst sagt, aber als Täterfigur beängstigend passend. Und das alles ist gerade so komisch, dass die flackernde Beunruhigung mitschwingt und das Lachen ausbremst. (…) …und während die Truppe samt Publikum noch darüber sinniert, wann es denn nun los gehe mit dem Ausnahmezustand, ist er längst da. Eingesickert schon bevor der Fremde mit dem Islamistenbart einbricht in die Idylle der Zombies auf Abruf. Marko Gebbert stellt diesen Niemand (La’ahad) als charmant, abgebrühten Attentäter in die Gruppe (…). Raschke und Trosits reißen vieles an und lassen die Situation so einfach wie brutal aus dem Ruder laufen. Da kippt die lullige Lagerfeuerstimmung, macht sich ungemütlich Paranoia breit. Opfer oder Opferdarsteller – das ist hier die Frage. Das lässt sich weiterdenken.“ 

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Auszug aus der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung vom 7. März 2017

„(…) Mit Spaß an grotesker Doppelbödigkeit lässt der preisgekrönte Kieler Autor seine Fantasie ins Kraut schießen, und Regisseurin Kristin Trosits hält fröhlich mit. (…) Man kennt sich von anderen Einsätzen, plaudert nett und integriert bereitwillig den sympathischen jungen Mann in die Runde, der neu ist im Geschäft und eigentlich Schauspieler werden will (famos mit spontaner „Woyzeck“-Rezitation: Rudi Hindenburg). Befremdlich ist der Gegensatz zwischen der gelösten Stimmung und der schockierenden Optik der blutverschmierten Simulanten… (…) Wird der Fremde mit dem arabischen Aussehen (Marko Gebbert) eine Wende bringen, der plötzlich zur Gruppe stößt? Nach Konrads fremdenfeindlichen, von den anderen niedergebrüllten Pöbeleien scheint er sich wohlzufühlen bei den Opfersimulanten, die zum zynischen Ende dieser rabenschwarzen Satire zu echten Opfern werden. Starker Tobak, der vom Publikum mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Aber eine einfache Lösung wäre diesem Thema auch nicht angemessen.“


TERMINE

PREMIERE 05. März 2017 WEITERE VORSTELLUNGEN 8. & 29. März, 27. April 2017, 9. Mai